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Supervision
Kollegiale Beratung

1. Phase: Casting

Jemand stellt eine Fragestellung aus seiner Praxistätigkeit der Gruppe zur Verfügung. Fallerzähler kann jeder werden, der für ein Schlüsselthema oder eine schwierige Situation neue Perspektiven oder Lösungsideen erhalten möchte. Alle übrigen Teilnehmer werden zu kollegialen Beratern.

2. Phase: Die Spontanerzählung

Der SV bittet den Fallerzähler aus seiner subjektiven Perspektive die notwendigen Informationen zu schildern. Der Fallerzähler braucht sich auf seinen Bericht nicht vorzubereiten.

Der Fallerzähler berichtet der Gruppe und hat dafür bis zu 5 Minuten Zeit. Der SV unterstützt den Fallerzähler durch klärendes und fokussierendes Fragen.

Die Berater (Gruppe) halten sich in dieser Phase zunächst zurück. Am Ende der Zeit lässt der SV noch zwei bis drei Verständnisfragen der Berater zu.

3. Phase: Die Fragestellung

Der SV bittet den Fallerzähler zu formulieren, welche Frage er in bezug auf sein Thema an die Berater hat.

Der Fallerzähler formuliert seine Fragestellung, wobei er vom SV unterstützt wird. Die Fragestellung soll umreißen, was sich der Fallgeber als Ziel in dieser Kollegialen Beratung wünscht.

Wenn der Fallerzähler Schwierigkeiten mit der Fragestellung bzw. dem Ziel der kollegialen Beratung hat, kann die Gruppe eine Schleife vollziehen. Gemeinsam kann man in einer ersten Beratungsphase „Fragestellungen erfinden“, um dem Fallerzähler Vorschläge für eine Fragestellung anzubieten. Dann kann die Gruppe zum nächsten Schritt übergehen.

4. Phase: Die Methodenwahl

Der SV leitet die Auswahl einer Methode an, die zur Bearbeitung der Fragestellung in der gewünschten Zielrichtung dient.

Der Fallerzähler kann eine Methode vorschlagen, die Berater auch. Der SV trifft in Abstimmung mit den Anwesenden eine Entscheidung. Vor Beginn der Durchführung erläutert er die Methode kurz.

Die Methodenkiste enthält verschiedene Methoden, mit denen sich in dieser Phase gut arbeiten lässt. Eine Auswahl soll hier im folgenden die Möglichkeiten aufzeigen:

  • Ideen sammeln / Brainstorming
  • Kopfstandbrainstorming/Kopfstandtechnik
  • Fragestellungen (er-)finden

Wenn der Fallerzähler sich nicht in der Lage sieht, eine Fragestellung zu formulieren, dann kann der SV, als (erste) Methode das Erfinden der Fragestellung durchführen

Er bittet die Berater, fünf Minuten lang Ideen zu sammeln, was denn nun die Fragestellung des Fallerzählers sein könnte. Es kommt hierbei nicht darauf an, die richtige Fragestellung zu bieten, sondern vielmehr dem Fallerzähler viele unterschiedliche Fragestellungen anzubieten, aus denen er eine für sich passende auswählen kann.

Nach dem Ende des Fragen-Brainstorming wendet sich der SV an den Fallerzähler und erkundigt sich, welche genannten Fragestellungen für ihn die passende ist. Mit dieser Fragestellung wird die Kollegiale Beratung fortgesetzt.

  • Resonanzrunde/freies assoziieren
  • Gute Ratschläge

Auf Ratschläge reagieren wir oft mit innerem Unwillen, vor allem dann, wenn sie uns erteilt werden. Bei dieser Methode geht es jedoch ausdrücklich darum, direkt ernstgemeinte und wilde Ratschläge zu erteilen.

Eine Bedingung ist daran geknüpft: die Berater müssen jeden ihrer Ratschläge einleiten mit „Ich gebe dir den Ratschlag, dass.......“, „ich empfehle dir, .......“, „ An deiner Stelle würde ich.........“ oder auch „Mein Tipp an dich: ..........“ Durch diese Formeln wird klargestellt, dass es sich nicht um versteckte Empfehlungen handelt und der Fallerzähler erhält das Recht, Ratschläge abzulehnen oder anzunehmen.

  • Nominale Gruppentechnik

    Diese besteht aus fünf Schritten und ermutigt jeden Teilnehmer, originelle Ideen beizusteuern.
    1. Das Problem sollte möglichst genau festgelegt sein.
    2. Jede Person schreibt still für sich so viele Ideen, wie ihr einfallen , auf ein eigenes Blatt Papier.
    3. Die Ideen werden mit der Gruppe geteilt (jeder liest seine eigenen Ideen vor oder sie werden eingesammelt und alle von einer Person vorgetragen).
    4. Lassen Sie danach Fragen und Diskussionen zu, um jede Idee klarzustellen.
    5. Führen Sie danach eine Wahl für die „beste Idee“ durch.
  • Wunschdenken („Ich wünschte,....)

  • Analogien bilden usw., usw.

5. Phase: Die Beratungsphase

Die Berater beraten den Fallerzähler zu seiner Fragestellung, mit der Methode, die in der vorigen Phase ausgewählt wurde. Ein „Sekretär“ kann benannt werden, der die Beiträge der Berater mitnotiert. Damit kann sich der Fallerzähler auf deren Inhalte konzentrieren.

Die Berater formulieren ihre Beiträge nach Vorgabe der gewählten Methode.

Der Fallerzähler hört in dieser Phase nur zu und kann die Berater auf sich wirken lassen.

Der SV wacht über die Einhaltung des Zeitrahmens etwa 10 Minuten. Im Sinne des Fallerzählers achtet er auch darauf, dass die Berater nur einen Beitrag pro Wortmeldung abgeben. Die Beiträge sollen nicht zu schnell hintereinander erfolgen.

6. Phase: Der Abschluss

Der SV wendet sich dem Fallerzähler zu und fragt, welche Ideen der Berater er bedenkenswert und hilfreich auf seine Fragestellung fand.

Der Fallerzähler nimmt Stellung zu den aus seiner Sicht hilfreichen Anregungen und bedankt sich abschließend für die Unterstützung durch die Berater.

Der SV kann sich am Ende noch ein Feedback(Rückmeldung) für seine Moderation einholen.

Damit endet der Zyklus der Kollegialen Beratung und es kann wieder mit der Neuverteilung der Rollen begonnen werden.